Wenn man so gegen Mitternacht einen kleinen Baby-Kater dazu bringen will, sein letztes Fläschchen Milch für den Tag zu trinken, weil er der Kleinste ist, der bei Mama an der Milchbar oft von den „Großen“ abgedrängt wird und er folgerichtig dieses Fläschchen dringend braucht, um an Gewicht zuzulegen oder sonst die halbe Nacht hungrig verbringt, er das aber vehement ablehnt, weil er jetzt gerade keinen Hunger hat, wer gewinnt dann diesen (von vornherein) ungleichen Machtkampf?

Richtig. Er.

Müde und abgekämpft, denn es war ein anstrengender Tag, der morgens um 05.00 Uhr begonnen hat, mit zerzausten Haaren, die ich mir frustriert gerauft habe, weil dieses unbelehrbare Katzenkind konsequent seinen Kopf durchgesetzt hat, gebe ich auf, leere das Fläschchen Babymilch in den Ausguss und falle ins Bett. Der letzte Gedanke, der mir durch den Kopf schießt, ist: Himmel, wer konnte ahnen, dass Katzenzucht so anstrengend ist.

Der nächste Morgen beginnt wieder sehr früh, glücklicherweise ist es Sommer und die Sonne ist bereits aufgegangen, so dass es um diese Zeit schon hell im Schlafzimmer ist. Es ist trotzdem eine Umstellung, so früh auf den Beinen zu sein, aber das nächste Fläschchen für den Kleinsten muss fertig werden. Mein Mann teilt mit großem Engagement unseren so veränderten Tagesbeginn, auch für ihn ist es keine Frage, wir leisten mit aller Konsequenz und Hingabe „Katzenbabydienst“. Leise betreten wir das Kittenzimmer, es ist noch abgedunkelt, und rufen nach der süßen Bande. Alle sind längst wach und spielen schon in ihrem Kittenlaufstall. Minou, das Mädchen in der Runde ihrer Jungs, sitzt schon oben auf dem kleinen Kratzbaum und hat die Lage unter sich fest im Blick. Sie hat den Blick eines Engels, aber sie steht ihren Brüdern in nichts nach, wenn wild getobt wird.

Romeo, mein unbeirrbarer kleiner Gourmet saust hocherfreut auf mich zu, wir kuscheln immer erst, bevor ich mal wieder anteste, ob er denn jetzt Hunger hat. Er schnurrt so laut wie sonst kein anderer, hat Charme für drei, seine süßen kleinen Pfötchen greifen nach mir und damit er hat es wieder mal geschafft: Müdigkeit etc. war gestern, heute schmelze ich dahin…und Romeo leert das mitgebrachte Fläschchen fast in einem Zuge!! Ein Blick zu meinem Mann, den gerade drei Katzenbabies gleichzeitig als Kletterwand erproben (und ja, auch sehr kleine Katzenkrallen sind schon mal schmerzhaft) zeigt mir, dass er das gleiche denkt wie ich: was für ein Abenteuer, aber was für wunderbare Glücksmomente.

Fasziniert beobachte ich jeden Tag, wie schnell die Kleinen wachsen, wie weich ihr Fell schon ist und wie früh schon erkennbar war, welche Art Persönlichkeit in jedem einzelnen „Fellchen“ steckt. Alle sind vollkommen unterschiedlich, jedes Baby ist auf seine Art ganz besonders und ich frage mich zum wohl tausendsten Mal, wie ich mich denn eines Tages von ihnen trennen soll. Denn sie sollen ja ihr eigenes Leben in einem liebevollen Zuhause bekommen. Aber diesen Gedanken schiebe ich jetzt erst mal noch weit von mir…